Der Surrealist Salvador Dali war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Klassischen Moderne. Neben seinem malerischen und grafischen Schaffen umfasste sein Oeuvre auch Skulptur, Werbung, Mode und das Filmemachen. Die Erforschung des Unbewussten war für Vertreter des Surrealismus ein zentrales Anliegen. Zerfall, Tod und Erotik prägen Dalis Werk und spiegeln damit die psychoanalytischen Theorien seiner Zeit.

 

1 - "Tristan und Isolde - der Kelch", 1970. Kaltnadelradierung auf Arches. Motiv: 40 x 26 cm, m. Museumsglas gerahmt: 65 x 50 cm. Handsigniert in Bleistift. Betitelt und nummeriert auf Blattrückseite. Auflage 10/115. WVZ: Michler/Löpsinger Nr. 406 (406-426).

Diese Grafik ist das Frontispiz aus der Mappe mit 21 Blättern zur Geschichte von "Tristan und Isolde". Das Blatt ist auf der Rückseite nummeriert und trägt außerdem ein Vermerk zu einem früheren Kundennamen. Die Nummerierung weist das Blatt als Teil der französischen Edition aus. Daneben wurde auch eine deutsche Auflage der Mappe herausgegeben mit 1-125 Exemplaren.

 

2 - "Geburt der Venus" aus Suite „Mythologique Nouvelle“, 1971. Kaltnadelstich auf BFK Rives Büttenpapier (Prägung rechter Blattrand). Motiv: 55 x 37 cm, m. Museumsglas gerahmt: 90 x 65 cm. Handsigniert u. nummeriert in Bleistift. Auflage 82/150. WVZ: Michler/Löpsinger Nr. 492.

3 - "Damen der Renaissance" aus Suite „Mythologique Nouvelle“, 1971. Kaltnadelradierung, Schablonen-koloriert, auf Rives Büttenpapier. Bildmaße: 39 x 57,6 cm, m. Museumsglas gerahmt: 70 x 90 cm. Handsigniert in Bleistift, E.A.-Abzug außerhalb der Gesamtauflage von 150. WVZ: Michler/Löpsinger Nr. 482.

Mit Kunstwerken großer Meister des 16. und 17. Jahrhunderts zu experimentieren gehörte zu den künstlerischen Leidenschaften der Künstler der Moderne. In seiner 12-teiligen Suite „Mythologique Nouvelle“ interpretiert Dali die Werke alter Meister aus Frankreich, Deutschland und Italien. Die "Geburt der Venus" ist an Albrecht Dürer angelehnt. Das Blatt "Damen der Renaissanse" greift das berühmte Doppelportrait von Gabrielle d’Estrées und Duchesse de Villars im Bad, geschaffen 1595 von einem unbekannten Künstler der Schule von Fontainebleau, auf. Dali karikiert die Theatralik des Originals, indem er die beiden Damen nun auf einer Art Bühne platziert und ihre Pose noch aufreizender wirken lässt. Zugleich verdeckt er ihre Gesichter durch Rosen. Mit dieser plötzlichen Anonymisierung der Dargestellten verwandelt er das bekannte Porträt augenzwinkernd in ein voyeuristisches Motiv.

 

4 - "Die große Place des Vosges zur Zeit Ludwigs Xlll", 1958. Heliogravüre auf Rives Büttenpapier. Bildmaße: 44,3 x 59,5 cm, m. Museumsglas gerahmt: 83 x 97 cm. Handsigniert in Bleistift, E.A.-Abzug außerhalb von 125er Auflage (auf Richard-de Bas). WVZ: Michler/Löpsinger Nr. 63

Der im Paris des 17. Jh. errichtete königliche Platz war bis zur Revolution eine der Schaubühnen der Pariser Aristokratie. Von diesem Juwel der historischen Baukultur fasziniert, legte Dali Wert darauf, den Platz bildlich in die Zeit Ludwig des XIII zurückzuversetzen, als noch dessen imposantes Reiterstandbild das Erscheinungsbild dominierte. Die lange Arkadenfront betont den majestätischen Zentralbau. Angesichts dieser monumentalen Kulisse architektonischer Pracht werden die Menschen -  Reiter, Fechter, Leibgardisten – zu bloßen Randpunkten reduziert.

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